Informationen zu Schulqualität, Lehrermangel und der Situation angestellter Lehrkräfte in Berlin

 

Und Berlin verbeamtet doch Lehrer - nur nicht diejenigen, die sich von Anfang an für die Stadt engagieren!

Wie die B.Z. im März 2011 berichtete, wirbt der Berliner Senat explizit um verbeamtete Lehrer aus anderen Bundesländern, und versucht sie mit der Zusage zu locken, ihren Beamtenstatus beibehalten zu können [1]. Die übernommenen Beamten werden als Berliner Landesbeamte vereidigt. Der Text der Anzeige ist nach wie vor auf der Webseite der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft nachzulesen [2].

Da diese Lehrer in den Bundesländern, aus denen sie kommen, durch neu zu verbeamtende Lehrer ersetzt werden, fördert der Berliner Senat mit der Übernahme von verbeamteten Lehrern aus anderen Bundesländern entgegen seiner offiziellen Politik aktiv die Verbeamtung von Lehrern. Kurz gesagt: Berlin verbeamtet alle Lehrer, außer diejenigen, die sich von Anfang an für das eigene Land engagieren!

Und inzwischen ist eine klare Tendenz zu erkennen: Die Zahl der im Tauschverfahren übernommenen Beamten hat sich von 2010 auf 2011 fast verdoppelt. Insgesamt wurden 2011 laut Senatsbildungsverwaltung ca. 150 Lehrkräfte zu Berliner Landesbeamten ernannt - mehr als die Hälfte von ihnen erhält sogar die Besoldung des Herkunftslandes, weil sie sich direkt auf eine Stelle beworben haben oder ein Mangelfach unterrichten und somit aus dienstlichen Gründen nach Berlin kommen [vgl. 3]. Auf das Niveau der hier arbeitenden angestellten Lehrkräfte abzusinken wäre diesen Bewerbern, die sonst nicht kommen würden, nicht zuzumuten. Staatssekretär Rackles: „Ein Verzicht auf den Beamtenstatus bei Bewerber/innen nach erfolgter Auswahl würde in Berlin zu einem deutlichen Rückgang der Bewerbungszahlen führe.“ [3]. Jungen verbeamten Lehrkräften aus anderen Bundesländern ein besseres Angebot als den eigenen angestellten Lehrkräften zu unterbreiten ist also Strategie des Senats, der eigentlich selbst längst erkannt hat, dass das Angebot, als angestellte Lehrkraft in Berlin zu arbeiten, nicht konkurrenzfähig ist - ein Offenbarungseid! Gut und teuer ausgebildete Lehrkräfte nach ihrer Ausbildung in der Stadt zu halten ist aber offenbar nicht „von dienstlichem Interesse“ - die Zahlen dazu erhebt die Senatsbildungsverwaltung lieber erst gar nicht. Aber ist es so kompliziert herauszufinden, wie viele Referendare das 2. Staatsexamen in Berlin ablegen, um ein seriöses und umfassendes Personalmanagement vorzunehmen???

Politische Argumente gegen eine Verbeamtung von Lehrern wie das Verschieben von Pensionslasten auf zukünftige Generationen sind nachvollziehbar, sollten dann aber für alle Lehrer, die in den Berliner Schuldienst eintreten, gleichermaßen gelten und es müssen alternative Anreize gesetzt werden, um junge engagierte Menschen für diese für unsere Stadt so wichtige Aufgabe, unsere zukünftigen Generationen zu bilden, zu motivieren. Solange Berlin junge Lehrkräfte verbeamtet, wird sich auch das Problem der Ungleichbehandlung nicht lösen, deshalb fordern wir einen angemessenen Ausgleich für angestellte Lehrerinnen und Lehrer!

Quellen:
[1] Lehrer werden doch wieder verbeamtet. B.Z. vom 6.3.2011
http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/lehrer-werden-doch-wieder-verbeamtet-article1134173.html
[2] Berlin wirbt mit Anzeigen um „über 1000 Lehrkräfte“. Pressemitteilung der SenBJF vom 4.3.2011
http://www.berlin.de/sen/bjw/presse/archiv/20110304.1715.334036.html
[3] Lehrer in Berlin halten II. Kleine Anfrage des Abgeordneten Özcan Mutlu (GRÜNE) vom 21.5.2012
http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/17/KlAnfr/ka17-10526.pdf

erstellt am 09.06.2012, letzte Aktualisierung am 13.03.2016
 
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