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Berlin lässt erneut junge Lehrer mit Mangelfächern ziehen

Wir wissen von mehrern Lehrer/-innen mit Mangelfächern, die in diesem Frühjahr ein gutes 2. Staatsexamen in Berlin absolviert haben und gerne an ihren Schulen geblieben wären. Dafür hätten sie selbst die schwierigen Arbeitsbedingungen und geringere Bezahlung in Berlin in Kauf genommen. Ihre Schulleiter hatten durch Hospitationen und Mitwirken an der Prüfung einzigartige Einblicke in die Arbeit der Absolventen, waren von ihrer Eignung überzeugt und bemühten sich um Stellen, um diese guten und motivierten jungen Lehrer an ihren Schulen zu halten - ohne Erfolg. Die Bewerber beschlossen nun, da eh ein Schulwechsel ansteht, diesen mit einer Verbeamtung in Brandenburg bzw. Hamburg zu verbinden. Doch die betroffenen Schulen werden in nur wenigen Jahren wieder Bedarf in den Fächern haben. Die Personalplanung der Bildungsverwaltung erweist sich damit abermals als kurzsichtig und damit in Zeiten des Lehrermangels als verantwortungslos!

Anstatt diesen vom Land selbst teuer und gut ausgebildeten Lehrer/innen ein angemessenes Angebot zu machen, verbeamtet der Senat für das kommende Schuljahr nach Aussagen der GEW 18 Bewerber/-innen aus anderen Bundesländern außerhalb der Regelungen zum Austausch von Landesbeamten. Nicht nur, dass diese vom Land Berlin verbeamteten Lehrkräfte bei gleicher Eignung und Tätigkeit mehr verdienen als die angestellten Lehrkräfte in Berlin - sie erhalten auch noch eine Zulage, die die Differenz zur Besoldung im Herkunftsland ausgleicht, verdienen also ein Leben lang mehr als diejenigen, die vor 2004 noch in Berlin verbeamtet wurden! [1] Eine haarstreubende Ungerechtigkeit: Wenn jemand bei gleicher Eignung und Tätigkeit eine Zulage verdient, dann doch wohl die, die weniger verdienen als die anderen! Das Vorgehen der Bildungsverwaltung dokumentiert erneut, dass offensichtlich entgegen ihrer Aussagen die Bewerberlage eben nicht „entspannt“ ist, sondern der von ihr geleugnete Lehrermangel heute Realität ist und die konzeptlose Bildungsverwaltung vor sich her treibt. Das Handeln der Bildungsverwaltung ist ein erneuter herber Schlag ins Gesicht für alle Lehrkräfte, die sich im Angestelltenverhältnis für die Berliner Schule engagieren und die sich nun fragen: Wie lange noch will ich mich noch nicht nur als Lehrkraft zweiter, sondern vielmehr als Lehrkraft dritter Klasse behandeln lassen? Dabei werden die den Angestellten verbleibenden Rechte von der Senatsverwaltung zusätzlich beschnitten: Die Lehrerrichtlinien stellen angestellte Lehrkräfte den Beamten in fast allen Pflichten gleich, nur die Rechte der Beamten werden ihnen nicht gewährt - sie sind quasi Staatsdiener in der „light-Version“ ohne die unangenehmen Verbindlichkeiten. Dass der Senat ihnen die im Angestelltenrecht zugesicherte Mitbestimmung z. B. bei Fragen zur Eingruppierung und Arbeitszeit verwehrt, ist rechtswiedrig [2].

Was macht die Bildungsverwaltung? Auf die Frage des bildungspolitischen Sprechers der Grünen Özcan Mutlu mit welchen Maßnahmen sie den Lehrerberuf in Berlin attraktiver machen will antwortet der zuständige Staatssekretär Mark Rackles im März 2012: „Bis auf die laut Koalitionsvereinbarung angestrebten Verbesserungen stehen konkrete Änderungen dieser Bedingungen aktuell nicht an.“  Die Frage, wie die Abwanderung Berliner Lehrkräfte in andere Bundesländer aufgehalten werden soll wird beantwortet mit: Es „sind nicht alle Lehrkräfte, die den Vorbereitungsdienst in Berlin absolvieren, an einem weiteren Verbleib in Berlin interessiert. Einige kommen nur für die Ausbildung nach Berlin und wandern anschließend nicht nur wegen der Einstellungsbedingungen wieder ab. Dies hat häufig auch persönliche Gründe.“ [3] Diese Einschätzung wiederspricht massiv unseren Erfahrungen in Gesprächen mit denjenigen, die in andere Bundesländern wechseln. Persönliche Gründe wie Familie oder die Berufstätigkeit der Partnerin / des Partners sind vielmehr der Grund, warum sich überhaupt noch Lehrkräfte bereit finden, trotz der herrschenden Bedingungen und der unattraktiven Bezahlung in Berlin zu arbeiten. Die Bildungsverwaltung zeigt sich auch hier skandalös verantwortungslos

Quellen:
[1] GEW, 06.06.2012 Presseerklärung
     Einstellungspolitik der Senatsbildungsverwaltung verschärft die Spaltung der Berliner „Lehrerschaft“

[2] GEW, 20.04.2012 Mitbestimmungsrechte der Personalvertretungen bei der Ausgestaltung von
     Eingruppierungsrichtlinien für angestellte Lehrkräfte
[3] Abgeordnetenhaus Berlin, 22.03.2012 Unterrichtsausfall – Quo Vadis? - Kleine Anfrage des Abgeordneten
     Özcan Mutlu (GRÜNE) vom 05. Januar 2012, Drucksache 17 / 10 083
     http://www.parlament-berlin.de:8080/starweb/adis/citat/VT/17/KlAnfr/ka17-10083.pd

erstellt am 09.06.2012, letzte Aktualisierung am 12.06.2012
 
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