Informationen zu Schulqualität, Lehrermangel und der Situation angestellter Lehrkräfte in Berlin

 

Info-Flyer zur Situation junger Lehrkräfte in Berlin

Wir haben die letzten Wochen und Monate genutzt, uns genauer über die Situation junger Lehrkräfte in Berlin zu informieren. Interessantes Material liefern dabei neben Presseberichten vor allem die Antworten auf parlamentarische Anfrgen von Abgeordneten wie Martin Delius (Piraten). Zu Fragen der tarifrechtlichen Situation angestellter Lehrkräfte informiert der Berliner Landesverband der GEW auf seiner Webseite zum Tarifrecht angestellter Lehrkräfte.

Da wir wissen, wie es jungen Lehrer/innen unter großen und vielen Stapeln von Klassenarbeiten und Klausuren geht, haben wir die wichtigsten Informationen zur Situation junger Lehrkräfte in Berlin auf übersichtlichen Flyern zusammengefasst:

erstellt am 01.11.2012, letzte Aktualisierung am 28.01.2013

 

Vergleichbares Nettoeinkommen für angestellte und beamtete Lehrkräfte ist mit geltendem Tarifvertrag machbar

"Zur regionalen Differenzierung, zur Deckung des Personalbedarfs, zur Bindung von qualifizierten Fachkräften [...] kann Beschäftigten abweichend von der tarifvertraglichen Einstufung ein bis zu zwei Stufen höheres Entgelt ganz oder teilweise vorweg gewährt werden. Beschäftigte mit einem Entgelt der Endstufe können bis zu 20 v.H. der Stufe 2 zusätzlich erhalten." - das sagt der geltende Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) zum Thema Zulagen [1]. In einer neuen Version unserer Modellberechnungen zum Vergleich des Nettoeinkommens einer kinderlosen, ledigen Gymnasiallehrkraft haben wir ein Modell berechnet, das solche Vorweggewährung von Erfahrungsstufen und die Gewährung von Zulagen für die in Berlin geltende Entgelttabelle modelliert [2]. Und siehe da: Ein vergleichbares Nettoeinkommen für angestellte und beamtete Lehrkräfte ist mit dem geltendem Tarifvertrag machbar.

  

erstellt am 20.11.2012, letzte Aktualisierung am 08.01.2013

 

Wie viel verdienen junge Lehrer/-innen in Berlin netto? … das kommt drauf an!

Die hier aufgeführten Sachverhalte beziehen sich zum Teil auf die Situation vor den Gehaltserhöhungen zum 1.7. bzw. 1.8.2012. Die Berechnungen (siehe unten) sind bereits angepasst und zeigen, dass der Unterschied im Einkommen dadurch nicht veringert wird. Wir werden in den kommenden Tagen auch diese Darstellung aktualisieren.

Bildet Berlin! hat Modellberechnungen zum durchschnittlichen Nettoeinkommen über 40 Dienstjahre erstellt und stellt fest:


Dargestellt ist jeweils das Netto-Einkommen einer ledigen, kinderlosen Gymnasiallehrkraft (Entgeltgruppe E13 bzw. Besoldungsgruppe A13) zum 01.02.2012. Für Beamte werden Kosten für die private Krankenversicherung in Höhe von 275€ monatlich berücksichtigt.


erstellt am 22.08.2012, letzte Aktualisierung am 20.11.2012

 

Über 10% Vertretungsbedarf sind selbst mit 100% Ausstattung plus 3% Vertretungslehrern nicht zu leisten!

An der Berliner Schule werden etwas mehr als 10% des Unterrichts nicht regulär erteilt. Laut Statistik der Bildungsverwaltung werden mehr als 8% der Unterrichts vertreten, die verbleibenden über 2% fallen aus (vgl. [1], S. 21). Als nicht in der Statistik berücksichtigt kann man Unterrichtsausfall in der Oberstufe betrachten, da hier in der Regel (Haus-)Aufgaben erteilt werden und der Unterricht damit als erteilt gilt, obwohl gar kein Unterricht stattgefunden hat (siehe dazu entsprechende Einträge in der Heißen Kiste). Unter dem Titel Schulen rechnen schön veröffentlichte Der Tagesspiegel am 02.06.2012 Recherchen, nach denen „Schulen und Verwaltung sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was 'nicht erteilter Unterricht' ist“.

erstellt am 09.06.2012, letzte Aktualisierung am 10.06.2012

 

Sehenden Auges ins Chaos: Der Senat weiß, dass er tausende Lehrer finden werden muss

Das statistische Bundesamt hat ermittel: Berlin führt die bundesweite Statistik der Länder an, die wenig junge Lehrer haben: über 55% der Berliner Lehrer sind 50 oder älter - in Hamburg dagegen sind nur gut 38% der Lehrer 50 oder älter ([1], S. 44). Kein Wunder, wenn man sieht wohin es seit Jahren die mit Berliner Steuermitteln gut ausgebildeten Junglehrer hinzieht! Für Berlin heißt das, dass in den kommenden Jahren ein großer Teil der heute aktiven Lehrkräfte durch junge Lehrer ersetzt werden müssen. Die Senatsveraltung für Bildung hat 2011 Zahlen zum prognostizierten Bedarf an Lehrern vorgelegt:  6000 Lehrer werden bis zum Schuljahr 2015/16 in Pension gehen. Das ist fast jeder vierte Lehrer, der heute an der Berliner Schule beschäftigt ist (vgl. [2], S.5). Da die Zahl Vollzeitstellen beschreibt, aber viele Lehrer in Teilzeit arbeiten, dürfte der Bedarf an einzustellenden Lehrern in Zahlen noch höher sein. In den kommenden Jahren sind jährlich mehr als 1000 Lehrer einzustellen, im Schuljahr 2014/15 fast 1500 (vgl. [2], S.6).


erstellt am 09.06.2012, letzte Aktualisierung am 11.08.2012

 

Von 1.300 € Zulage bleiben im Durchschnitt keine 100 € netto!

Vielfach wird in der Diskussion um die Attraktivität des Lehrerberufs in Berlin darauf hingewiesen, dass angestellten Lehrkräften eine monatliche außertarifliche Zulage von 1.300 € gezahlt werde. Tatsächlich wird nicht ein fixer Betrag von 1.300 € als Zulage gezahlt, sondern die Differenz der aktuellen Erfahrungsstufe zur höchsten Erfahrungsstufe. Bei genauer Betrachtung wird deutlich: Nur für das erste Dienstjahr und damit nur für sehr kurze Zeit und sehr wenige Lehrkräfte ist der Bruttobetrag dieser Zulage tatsächlich so hoch, viele profitieren kaum oder gar nicht von der „1.300€-Zulage“ . Zu beachten ist: 

erstellt am 16.06.2012, letzte Aktualisierung am 25.01.2013

 

Was darf gute Bildung kosten? - Vergleich des Lebensarbeitszeitnettoverdienstes von angestellten und verbeamteten Studienräten in Berlin

Die hier aufgeführten Sachverhalte beziehen sich überwiegend auf die Situation am 1. Januar 2012. Die unten verlinkten Berechnungen wurden für die Situation am 1. Januar 2013 aktualisiert, einige der hier aufgeführten Diagramme beschreiben die Situation zum 1. August 2012. Der Unterschied im Einkommen hat sich durch die zum Juni und August 2012 erfolgten Einkommenserhöhungen nicht veringert. Eine Aktualisierung der Berechnungen und der Darstellung für die Situation ab 1. August 2013 ist in Arbeit.

Die Initiative für Schulqualität Bildet Berlin! hat Modellberechnungen erstellt, die die bestehende Ungerechtigkeit für den Aspekt des Nettoeinkommens dokumentieren und zeigen, wie die Attraktivität Berlins im Konkurrenzkampf um Lehrer durch die Vorweggewährung von Erfahrungsstufen und Zulagen auch tarifrechtlich gesichert werden kann. Das Modell bezieht sich auf eine ledige, kinderlose Lehrkraft, die ihren Dienst 27-jährig am 01.08.2012 angetreten hat und 40 Dienstjahre an der Berliner Schule in Vollzeit arbeitet. Dabei werden sowohl zukünftige Gehaltssteigerungen als auch die Inflation ausgeblendet, es ist quasi eine Momentaufnahme der heutigen Situation in die Zukunft projiziert (Näheres zu den Grundannahmen des Modells in der ausführlichen Beschreibung der Berechnungen).


erstellt am 09.06.2012, letzte Aktualisierung am 21.10.2013

 

Berliner Finanzsenator Nußbaum: Die Bezahlung angestellter Lehrer in Berlin ist demotivierend.

In einem Artikel zur Personalsituation im Berliner öffentlichen Dienst „Berliner Verwaltung schafft sich ab“ vom 10. April 2012 zitiert die Berliner Zeitung den Berliner Finanzsenator, der die Tatsache kritisiert, dass in Folge der Vorweggewährung der höchsten Erfahrungsstufe angestellte Lehrkräfte keine Gehaltsentwicklung mehr erfahren: „Diese Lehrer haben deshalb kaum Perspektive bei der Vergütung. Das wirkt demotivierend. Deshalb müssen wir die Anreizstruktur für Lehrer verbessern.“ (S. 2, 4. Absatz) Während die Bildungsverwaltung nicht müde wird darauf hinzuweisen, dass das Einstiegsgehalt sich im bundesweiten Vergleich sehen lassen kann verweisen wir darauf, dass erhebliche Einbußen bestehen, wenn man das Netto-Einkommen über die Lebensarbeitszeit berechnet - und das bereits im Vergleich zu Berliner Landesbeamten, deren Besoldung ihrerseits deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts liegt.

erstellt am 09.06.2012, letzte Aktualisierung am 10.06.2012

 

Und Berlin verbeamtet doch Lehrer - nur nicht diejenigen, die sich von Anfang an für die Stadt engagieren!

Wie die B.Z. im März 2011 berichtete, wirbt der Berliner Senat explizit um verbeamtete Lehrer aus anderen Bundesländern, und versucht sie mit der Zusage zu locken, ihren Beamtenstatus beibehalten zu können [1]. Die übernommenen Beamten werden als Berliner Landesbeamte vereidigt. Der Text der Anzeige ist nach wie vor auf der Webseite der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft nachzulesen [2].


erstellt am 09.06.2012, letzte Aktualisierung am 13.03.2016

 

 
Bildet Berlin!
Bildet Berlin! ist ein Verein, dessen Mitglieder und Unterstützer es leid sind, tatenlos zuzusehen wie sich die Qualität der schulischen Bildung in Berlin durch eine mangelhafte Ausstattung der Schulen verschlechtert.
Gute Schulbildung ist der Schlüssel für Integration und Arbeit. Bildung ist die Zukunft dieser Stadt.
Deshalb: Bildet Berlin!

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